Einen eigenen Kartentrick entwerfen!

Willkommen in der Königsdisziplin der Magie. Wie ich in der Einführung schon schrieb, halte ich es für falsch, ausschließlich die Tricks Anderer zu verwenden. Die Techniken der Magie kann nahezu jeder mit viel Übung erlernen. Doch kann man sich dann schon Magier nennen? Ich sage ganz klar: Nein.
Zauberer auf YouTube erklären fast täglich neue Tricks, welche mit der Zeit populär geworden sind oder solche, die berühmte Zauberer entworfen und in ihrer Show präsentiert haben. Manchmal sind auch eigens erfundene auf YouTube-Kanälen zu finden.
Doch man kann sich erst Zauberer nennen, wenn man diese Tricks aus seinem Repertoire ausschließt. Man kann sich dann Zauberer nennen, wenn man nach und nach eigene Tricks erfindet. Sonst ist man nur ein nachplappernder Papagei mit beeindruckenden Fingerfertigkeiten.
In diesem Kapitel werde ich dir die Grundzüge erläutern, die es braucht, um seinen eigenen Trick zu entwerfen. Dabei gibt es viele verschiedene Herangehensweisen. Ich werde hier meine darstellen, die mich noch nie im Stich gelassen hat. Solltest du im Laufe der Zeit eine bessere und für dich geeignetere finden, dann benutze diese unbedingt! Dies hier ist nur ein Vorschlag zwecks der Inspiration.
In der Einleitung habe ich einen sehr wichtigen Satz geschrieben: Es ist alles möglich. Und genau diesen Satz habe ich immer im Kopf, wenn ich mich an das Entwerfen eines neuen Tricks heranmache. Dabei kann man es nun so machen, dass man sich seine Karten in die Hand nimmt und ein bisschen damit herumspielt und hofft, dass man eine zündende Idee hat.
Doch so mache ich es nicht.
Ich rolle einen Trick von hinten auf. Wenn mit der Magie alles möglich ist, dann überlege ich mir zu aller erst den Effekt. Die Pointe. Den Wow-Moment am Ende des Tricks. Wie soll der Trick ausgehen? Und dabei ist mir komplett egal, wie unwahrscheinlich und unmöglich das Ende des Tricks ist. Ich habe mal einem Zuschauer in Deutschland eine Karte ziehen lassen, diese dann im Deck verloren und so getan, als hätte ich den Trick verhauen. Drei Monate später flog mein Zuschauer auf Geschäftsreise in die Mongolei, wo ihm der Kassierer eines Mini-Shops statt einer Quittung seine Karte gab. Wie habe ich das gemacht? Denkt ihr, in dem ich mich mit meinen Karten hingesetzt habe und auf das Beste gehofft habe? Nein. Ich habe mir zu erst den Effekt überlegt und dann an Hand meiner erlernten Techniken und Ressourcen überlegt, wie ich den Effekt erreichen kann. Das dauert manchmal länger und benötigt eine Menge Kreativität, doch es heißt auch Zauberkunst und Kunst entsteht nicht in fünf Minuten.
Überlege dir einen Effekt. Fang erst einmal klein an. Was willst du machen? Welches Ergebnis würdest du cool finden? Soll sich die Karte teleportieren? Soll sie verschwinden? Oder will ich, dass sie ihre Farbe verändert? Wenn du deinen Effekt hast, dann überlege dir, wie du e mit den erlernten Techniken realisieren kannst.
Bedenke dabei immer, wie es aus der Sicht des Zuschauers wirkt. War diese Bewegung überflüssig? Wirkt es verdächtig, wenn ich meine Hand so hier halte? Und wenn du es bejahen kannst, dann ändere es.
Wenn du denkst, du willst einen Effekt erreichen, doch dir fehlt eine entscheidende Technik, dann denk dir einfach eine aus! Jede einzelne Karten-Kontroll-Methode ist auf diese Weise entstanden. Jemand hat sich gedacht: Das will ich erreichen und wie schaffe ich das am Besten. Hab Vertrauen in deine erlernten Fähigkeiten und in dein mühsam aufgebautes Verständnis für Karten, dann wird es kein Problem für dich sein, das scheinbar Unmögliche zu kreieren.