Das Palmieren

Palmieren leitet sich von dem englischen Wort palm ab, was Handfläche bedeutet. Ursprünglich ist eine palmierte Karte also eine, die in der Handfläche verschwindet. Heute wird der Begriff aber meistens für den Großteil der Techniken verwendet, durch Fingerfertigkeit eine (oder mehrere) Karten in oder hinter deiner Hand verschwinden zu lassen. Für diese Methoden brauchst du viel Übung und erstmals ist auch die Ablenkung des Zuschauers von viel größerer Bedeutung als bei den bereits vorgestellten Techniken.
Ich werde dir in diesem Kapitel drei Arten zeigen, eine Karte schnell und unauffällig zu palmieren. Bei einer Technik verschwindet die Karte hinterm Handrücken, bei den anderen zwei in der Handfläche.

Das Palmieren einer Karte von der untersten Position des Decks

Diese Technik ist, ebenso wie die darauf folgende, leicht zu erlernen, aber schwer zu meistern. Denn die Bewegung, welche du machst, kann sehr auffällig wirken, weshalb verschiedene Komponente wie Ablenkung und Winkel eine große Rolle spielen. Doch das wird irgendwann in dein Fleisch und Blut übergehen. Jetzt kommen wir erst einmal zur Anleitung.
Beginnen wir mit der Art, das Deck zu halten. Denn es gibt hier, anders als bei den meisten Techniken, die ich dir beibringen werde, einen wichtigen „grip“, ohne den die Technik nicht möglich ist. Um in die richtige Position zu kommen, legst du das Deck auf den Tisch oder eine Unterlage. Nun kommst du

 mit deiner Lieblingshand über das Deck und greifst es von oben aus. Dabei ist eine ordentliche Lücke zwischen deiner Handfläche und dem Kartenstapel. Deine vier Finger berühren die obere kurze Kante und dein Daumen die untere. So viel zur Ausgangsposition. Nun willst du die unterste Karte palmieren, warum auch immer. Dafür berührst du leicht mit den vier Fingern der anderen Hand die unterste Karte und schiebst sie ganz einfach in die Handfläche der das Deck haltenden Hand. Wie gesagt, ist die Bewegung nicht sehr schwer. Doch solltest du unbedingt üben, wie weit du die Karte in die Handfläche schieben willst. Denn wenn man die Ecken der Karte hervorgucken sieht, ist der Trick versaut.

Das Palmieren einer Karte von der obersten Position des Decks

Diese Technik ist eigentlich die gerade erklärte, bloß umgedreht. Der Griff ist der selbe, außer, dass es sich hier lohnt, den Abstand zwischen Handfläche und Deck etwas geringer zu halten. Nun kommst du mit der anderen Hand und schiebst mit dem Daumen die oberste Karte in die Handfläche.
Der Vorteil hier gegenüber der vorigen Methode liegt darin, dass du die Karte nur einen halben Zentimeter bewegen musst. Dann kannst du mit etwas Übung die Karte mit der Handfläche so biegen, dass sie sich wunderbar in deine Hand einfügt. Nun bist du dazu in der Lage, die Karte frei und sicher vom Deck abzuheben. 

Der Back-Palm

Wie schon gesagt, kommen wir nun zu einer Technik, die enorm schwer zu meistern ist und auch das Erlernen ist nicht ohne. Es geht darum, eine Karte hinter deinem Handrücken zu verschwinden. Auf YouTube gibt es massig viele Zauberer, die den Back-Palm in diverse Tricks einbauen, oder in ihn ihrem Intro verwenden, weil er cool aussieht. Doch ich erlebe es so oft, dass ein schlecht ausgeführter Back-Palm die Wirkung versaut. Deswegen tu mir bitte den großen Gefallen, diese Technik so lange zu üben, dass sie eine 100 %ige Perfektionsquote hat. Dann wird die Wirkung umso größer sein, denn nichts beeindruckt den Zuschauer mehr, als eine Karte in weniger als einem Augenzwinkern ins Nichts verschwinden zu lassen. Kommen wir nun zur Anleitung.
Dieser Palm lässt sich nur mit einer oder weniger als zehn Karten machen. Da Letzteres doch etwas für Profis ist, bleiben wir vorerst bei dem Palmieren einer Karte.

Beginne wir mit dem Halten der Karte. Der Griff ist vorerst so, als würdest du die Karte jemandem zeigen. Das heißt, du hältst sie an einer der kurzen Seiten. Nun greifst du die Karte so, dass sie durch deinen Mittelfinger, den Ringfinger und den Daumen gehalten wird. Der Zeigefinger und der Kleine Finger müssen dabei beweglich bleiben. Diese beiden Finger bewegst du nun auf dem Daumen zu. Die obersten Gelenke deiner Finger sollten nun Kontakt zum Rand der Karte haben. Bei dieser Bewegung rollen sich der Ring und -Mittelfinger leicht ein. Nun drückst du die Karte mit dem Zeige und -Kleinen Finger ein, so dass sie sich nach außen hin wölbt. Und nun streckst du die Finger allesamt aus und machst die Hand vollkommen gerade. Jetzt müsste die Karte hinter deinem Handrücken sein. Das ganze läuft in wenigen Millisekunden ab.
Wie übt man diese komplizierte Technik am Besten? Das Schwierigste ist, die Karte so zu palmieren, dass im ausgestreckten Zustand der Hand zwischen den Fingern keine Kartenecken mehr hervorlucken. Um das zu verhindern, muss man am Anfang den Kartenrand mit dem Zeige und -Ringfinger soweit unten wie nur möglich berühren. Da das aber für einen Anfänger schwer sein wird, rate ich dir, beim Üben etwas weiter oben die beiden Finger zu positionieren. Dabei wird man die Karte zwar sehen, doch mit der Zeit kannst du es immer mehr verbessern.

Wenn du die Karte nun wieder hervorholen willst, machst du genau die selbe Bewegung nochmal, nun diesmal umgekehrt. Du löst den Druck vom Zeige- und Kleinen Finger etwas, rollst den Mittel und -Ringfinger wieder ein und greifst mit dem Daumen wieder bei der Karte zu. Viel Spaß beim Üben!

Der Gamblers-Grip

Dies ist definitiv mein Lieblingspalm. Er ist nicht so schwer und hat unglaublich viele Einsatzmöglichkeiten, wie du bald selber feststellen wirst.
Die Karte, welche du palmieren willst, hast du vorher an die unterste Position des Decks kontrolliert. Wenn der Zuschauer nun fragt, ob er denn das Kartendeck auch mal mischen darf, dann musst du nicht ins Schwitzen kommen, denn wenn du diese Technik beherrscht, dann kannst du ihm getrost das Deck aushändigen. Und genau da liegt auch die geheime Bewegung. In dem Moment, wo das Deck deine Hand verlässt. Du hälst die Karten in deiner Handfläche. Dabei ist der Kontakt deines Handtellers mit der untersten Karte sehr wichtig. Wenn du dem Zuschauer nun das Deck geben möchtest, dann greifst du mit der freien Hand das Deck von oben herab. entscheidend ist nun der Daumen der freien Hand. Dieser greift das Deck bei der Übergabe und der unteren kurzen Seite des Decks. Nun hebst du die Karten nicht einfach aus deiner Hand heraus, sondern du ziehst mit der freien Hand den Stapel etwas über deine Hand in Richtung des Zuschauers. Dabei entsteht nämlich zwangsweise eine kleine „Treppe“ beim Stapel. Diese nutzt du nun aus, um in einer flüssigen Bewegung mit deinem Daumen die unterste Karte zu ertasten. Nun möchtest du verhindern, dass sich die unterste Karte zusammen mit den anderen aus deiner Hand bewegt. Deshalb schiebt der Daumen ganz einfach alle Karten oberhalb der untersten, also der Zuschauerkarte aus deiner Hand. Mit einer leichten Biegung deiner Handfläche kannst du ebenfalls gewährleisten, dass sich die Karte deines Zuschauers nicht aus dem Handteller bewegt. In einer flüssigen Bewegung reichst du dem Zuschauer nun die übrigen 51 Karten zum Mischen.
Die Karte ist nun aber sichtbar, denn ihre Ecken werden nicht vollständig von deiner Hand verdeckt. Deshalb gibt es einen wichtigen Punkt zu beachten. Beim ersten Schritt, dem Halten der Karten in einer Hand, also bevor die Zweite dazu kommt, da ist es ratsam, die Karten etwas näher zu deinem Körper hin zu halten. So wird die Zuschauerkarte letztlich beim Palm nicht über dem Zeigefinger hervorlucken. Wenn die Karte nun palmiert ist, dass lässt du die Hand einfach fallen, halte sie auf natürliche Art neben deinem Körper. Wenn der Zuschauer dir nun gegenüber steht, wird er sie nicht sehen können.
Wenn er fertig gemischt hat (und davon überzeugt ist, seine Karte sei nun im Kartendeck verloren gegangen), dann greifst du mit der leeren Hand den Stapel und legst ihn in die andere Hand auf die Zuschauerkarte rauf.

 

Was du mit diesen Techniken anstellst, bleibt nur dir überlassen. Doch wie beim letzten Mal gebe ich dir einen kleinen Denkanstoß, welche Möglichkeiten sich mit einem guten Palm eröffnen Ich benutze die Technik gerne, um eine Karte in meine Tasche zu zaubern.