Das Forcieren

Das Forcieren von Karten ist die Fähigkeit, den Zuschauer eine Karte ziehen zu lassen, welche du haben willst, ohne, dass er dies merkt. Es gibt eine Menge an Möglichkeiten, einen guten „Force“ zu machen. Hier stelle ich dir 3 Methoden vor, welche der Reihenfolge nach immer schwerer werden. Doch alle sind machbar, auch wenn sie Übung benötigen. Denn nichts ist ärgerlicher, als wenn du einen Force versuchst und der Zuschauer sieht es. Denn dann kannst du diesen Trick nicht mehr bei ihm machen, deine Glaubwürdigkeit schwindet dahin.

Variante 1

Bei dem ersten Force ist das raffinierte, dass er völlig normal aussieht. Oftmals lässt man einen Zuschauer eine Karte ziehen, indem man mit seinem Daumen durch das Deck durchriffelt und den Zuschauer bittet, irgendwo Stopp zu sagen. Bei diesem Force passiert genau das, nur dass du entscheidest, welche Karte er dabei erwischt. Wie schon gesagt, benötigt dieser Force von den dreien am wenigsten Übung, doch es gibt auch hier ein paar Kleinigkeiten, auf die du achten musst.

Die Karte, welche du dem Zuschauer aufzwingen möchtest, liegt hierbei an oberster Stelle im Kartenspiel. Du hältst das Deck mit einer Hand. Deine vier Finger liegen an einer der langen Seiten, deine Daumen ist dementsprechend etwa an der oberen Ecke. Nun gehst du an genau dieser Ecke mit dem Daumen an dem Rand entlang, du riffelst also durch das Deck. Wenn der Zuschauer nun Stopp sagt, kommst du mit der freien Hand (so wie es normal wäre), und hebst das Päckchen über der von Zuschauer gewollten Karte ab. Aber hier kommt das Geheimnis: Kurz bevor deine freie Hand den

 Stapel nimmt, ziehen dein Kleiner, -Ring, -Mittel und -Zeigefinger die oberste Karte vom Deck und automatisch in die Lücke hinein. Die Bewegung des Stapel Anhebens und des Karte Herunterziehens ist eine fließende Bewegung von weniger als einer Sekunde.

Übe bei diesem Force vor allem, in welchen Blickwinkeln ein hohes Risiko bestünde, dass der Zuschauer den Force sieht. Außerdem achte darauf, dass deine freie Hand soviel von der geheimen Bewegung verdeckt, dass der Zuschauer nichts mitkriegt, a

ber nicht zu viel, sonst wird er skeptisch.

Variante 2

Bei diesem Force ist noch etwas mehr Übung erforderlich, aber er gefällt mir dennoch von den hier vorgestellten am Besten. Warum? Weil man ihn wunderbar auch für andere Tricks verwenden kann, bei denen kein Force nötig ist. Seine Einsatzmöglichkeiten sind sehr vielfältig, das wirst du bestimmt selbst schnell merken.

Hier ist die gewünschte Karte an unterster Stelle vom Deck. Du hältst den Kartenstapel in einer Hand. Nun „spreadest“ du die Karten auf. Das heißt, du ziehst das Deck auseinander, so dass der Zuschauer die Kartenrücken der einzelnen Karten sehen kann. Du bildest quasi eine Art Brücke mit den Karten zwischen deinen Händen. Dies passiert in der Luft, nicht auf einem Tisch. Nun bittest du den Zuschauer, eine Karte anzutippen (nicht zu ziehen, sonst funktioniert der Force nicht!). Unter dem Schutz der „Kartenbrücke“ hast du in der Zwischenzeit mit den vier Fingern, welche die unterste Karte berühren, eben diese etwa in die Mitte der „Kartenbrücke“ geschoben. Die Karte hat sich also aus dem Deck gelöst und wird relalitv frei von deinen Fingern unter der Brücke gehalten.
Unter der vom Zuschauer angetippten Karte separierst du die Brücke nun. Du brichst sie in zwei Hälften.

OHNE DEN FORCE würdest du nun die Unterseite der eine Hälfte des Kartendecks, nämlich die, welche die angetippte Karte an ihrem Boden hat, dem Zuschauer zeigen. Doch die geheime Bewegung ist folgende. Kurz bevor du die Brücke „zerbrichst“, greifst du dir mit der anderen Hand die von dir ge

wünschte Karte und ziehst sie mit den vier Fingern an die Unterseite des Stapels oberhalb der angetippten Karte. Nun zeigst du diesen Stapel, welcher die von dir gewollte Karte scheinbar auch die angetippte Karte am Boden hat. Doch diese ist wo? Eine über deiner geforcten Karte, also die zweite von unten.

Der Force ist gewissermaßen der Erste, den ich dir erklärt habe, nur umgedreht. Die Karte liegt nicht oben, sondern unten. Hier musst du vorallem üben, wie die Kartenbrücke das Schieben der gewollten Karte verdeckt. In meiner Anfangszeit habe ich das oft nicht hinbekommen, weswegen ich manchmal auch enttarnt wurde. Deshalb übe diese Technik viel, bevor du sie einsetzt.
Und welche anderen Möglichkeiten gibt es, diese Methode einzusetzten? Denk doch zum Beispiel mal daran, was wäre, wenn du dem Zuschauer sagen würdest, er solle eine Zahl nennen und an genau der Stelle im Deck ist seine Karte 😉 .

Der klassische Force

Der Schwerste, den ich hier vorstelle. Er ist auch der wohl bekannteste. Es läuft folgendermaßen ab: du lässt die Karten in einem Fächer zwischen deinen Händen hin und her laufen, sie sind dabei also in Bewegung, der Zuschauer tippt auf eine Karte und diese Karte ist die, welche du ihn ziehen lassen willst.
Bei diesem Force brauchen wir erstmals auch eine andere, bereits gelernte Technik: den Pinky-Break. Dieser ist nicht unter der obersten Karte, sonder mitten im Deck, über der von dir Gewollten. Wie du den da hineinbekommst, sei dir überlassen.
Nun lässt du die Karten von der einen Hand in die andere laufen. Und dabei bittest du den Zuschauer, eine der vorbei laufenden Karten anzutippen. Achte unbedingt darauf, dass du nicht über den Pinky-Break hinaus gehst. Und nun beobachtet du ihn ganz genau. Denn das Timing spielt hier eine wichtige Rolle. In dem Moment, wo er seinen Finger herunterneigt, um eine Karte zu berühren, lässt du die gewollte Karte etwas vorrutschen. Du schiebst sie sozusagen in seine Richtung, um seinem Zeigefinger deine Karte „aufzuwingen“. Um den richtigen Moment abzupassen, wann du die Karte über dem Break hervorschnellen lassen musst, beobachte seinen Finger. Wenn er ihn senken lässt und der Break noch etwas entfernt ist, gehe etwas schneller durch das Deck. Ist sein Finger noch weit etwas weiter weg und du bist schon so gut wie am Pinky-Break, dann sei etwas langsamer.
Das Schwere und intensiv zu Übende am Force ist das Herausschieben der Karte. Es muss so dezent sein, dass der Zuschauer es nicht mitbekommt, aber auch gut genug, dass er gezwungen wird, deine gewünschte Karte zu ziehen. Da der Force der Riskanteste hier ist und auch Profi-Magier ihn oft nicht perfekt beherrschen, mache ich es so, dass ich parallel zu diesem Force den mache, den ich vorher beschrieben habe. Dafür muss ich mit natürlich die unterste Karte und die über dem break merken. Aber so bin ich abgesichert, falls etwas schief laufen sollte und der Zuschauer nicht die erwünschte Karte antippt.